Wilhelm Flitners politische Sorgen am Ende der Weimarer Republik

Teil 2

Zur Hinführung auf die Festrede sei an Wilhelm Flitner und an die politische Lage in der Mitte des Jahres 1930 erinnert:

Flitner, bedeutendster Pädagoge Hamburgs, der die wissenschaftliche Pädagogik des 20. Jahrhunderts wesentlich geprägt hat, lehrte als ordentlicher Professor vom Sommersemester 1929 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1958 an der Hamburger Universität und als Emeritus weiterhin bis zum Jahre 1969.

Als Direktor des Erziehungswissenschaftlichen Seminars der Philosophischen Fakultät wurde er von einer breiten „Hamburger Erziehungsbewegung” getragen, die er selbst wesentlich förderte; doch es herrschte von Anfang an eine Spannung zwischen ihm und seinem Kollegen Gustav Deuchler, der seit 1923 das erste Ordinariat innehatte und bereits 1932 in die NSDAP eintrat.

Flitner, jüngster Gelehrter der Fakultät, war bereits über Hamburg hinaus bekannt und geachtet. Er wirkte vielseitig, vor allem als entschiedener Pragmatiker in der Erwachsenenbildung, die er bahnbrechend mit auf den Weg gebracht hatte (er war der erste Leiter der neugegründeten Volkshochschule in Jena); als Schriftleiter der angesehenen pädagogischen Zeitschrift „Die Erziehung”, als deren Initiator er galt und Mitbegründer gemeinsam mit Aloys Fischer, Theodor Litt, Herman Nohl und Eduard Spranger, und schließlich als Autor der ersten modernen wissenschaftlichen Pädagogik, die im Jahre 1933 als „Systematische Pädagogik” veröffentlicht wurde. Flitner war gewohnt, sich der politischen Debatte zu stellen, die ihn besonders im „Hohenrodter Bund”, der in der Erwachsenenbildung bestimmend war, und in dem sogenannten „Silvesterkreis” (4) herausforderte.

 

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(4) Nach einer Besprechung am 10. Dezember 1931 in Hamburg gründeten Wilhelm Flitner und Oskar Hammelsbeck am 31. Dezember 1931 in Weimar eine politische Gemeinschaft, die sich zur Aufgabe setzte, quer durch die politischen Schichten „in letzter Stunde” einen tragfähigen Damm gegen die Barbarei aufzurichten. Vgl. Wilhelm Flitner. Erinnerungen. In: K. Erlinghausen, Andreas Flitner, Ulrich Herrmann (Hg.). Wilhelm Flitner Gesammelte Schriften, Bd. 11, S. 345. Der Autor beabsichtigt, noch weitere Ausführungen zum Silvesterkreis im Zuge der Arbeit am Projekt Wilhelm Flitner vorzulegen.